Konzept

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„Aktionstage gegen Rechts“ 2016
„Kein Mensch ist illegal! – Wir bleiben alle!“
– Konzeption –

Im Jahr 2016 finden beginnend im April erneut die diesjährigen „Aktionstage gegen Rechts“ des Vereins Rock gegen Rechts e.V. in Stralsund statt. Damit wird die bereits seit mehr als zehn Jahren bestehende Bildungs- und Veranstaltungsreihe auch in diesem Jahr fortgeführt. Anlässlich der aktuellen Gesellschaftsthemen zur Asylpolitik, zur Willkommenskultur und seit Herbst 2014 zu den fremden- und menschenfeindlichen Bewegungen wie MVGIDA, MV-Patrioten etc. werden die Aktionstage 2016 erneut unter dem Motto „Kein Mensch ist illegal – wir bleiben alle!“ stattfinden.

Rückblick

Was vor einer Dekade im Jahr 2005 als Initiative von Schülerinnen und Schülern begann, hat sich zu einem nachhaltigen Projekt entwickelt, dass kontinuierlich vielfältige Bildungsarbeit in unterschiedlichen und zielgruppengerechten Formaten wie Ausstellungen, Sportturniere, Vorträge, Film- und Diskussionsveranstaltungen, Theateraufführungen und Konzerten leistet.
Dieses vielfältige Spektrum der „Aktionstage gegen Rechts“ wird nicht zuletzt durch die zunehmend breitere Unterstützung aus der Gesellschaft und Politik möglich. So sprach sich nicht nur die Landtagspräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Sylvia Bretschneider, mit großem Dank für das Projekt aus. Auch die Nominierung für den Courage-Preis der Linksfraktion Mecklenburg-Vorpommern, der umfangreiche Unterstützerkreis und die Chronologie der Veranstaltungen bekunden die Qualität und Nachhaltigkeit der „Aktionstage gegen Rechts“.

Die Organisatorinnen und Organisatoren der Veranstaltungen sind überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene. In Eigenverantwortung und unter Aufbringung eines großen ehrenamtlichen Engagements positionieren sie sich mit den „Aktionstagen gegen Rechts“ gegen rechtsradikale und demokratiefeindliche Tendenzen und Gewalt in der Hansestadt Stralsund und über deren Stadtgrenzen hinaus. Seit dem Jahr 2005 finden die jährlichen „Aktionstage gegen Rechts“ mit einem neuen Konzept statt. Im vergangenen Jahr 2015 konnten unter anderem 2 Ausstellungen und als besonderes Highlight die Podiumsdiskussion zum Thema „Soziales Engagement“ realisiert werden. Unter anderem konnten Birgit Lohmeyer, Jan „Monchi“ Gorkow (Feine Sahne Fischfilet) und Ahmed Shah (Initiative Grenzenlos Berlin) als Gäste gewonnen werden und von ihren Erfahrungen berichten. Als Abschluss der Veranstaltungsreihe wurde eine Fotoaktion zum Thema Weltoffenheit umgesetzt.

Mit insgesamt rund 1.000 Besuchern und einer nahezu ausverkauften Podiumsdiskussion erfreuten sich die Veranstaltungen auch diesmal großer Beliebtheit und viele Bürger_innen zeigten damit, dass sie sich gegen Menschenfeindlichkeit und für mehr Demokratie in ihrer Region aussprechen.

Der bildungspolitische Ansatz der „Aktionstage gegen Rechts“ wurde in den letzten Jahren insbesondere mit Blick auf die Zielgruppe Jugendliche und junge Erwachsene und didaktisch mit unterschiedlichen Medien und Formaten konzipiert. So wurden bspw. im Jahr 2011 mit Jugendlichen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern und in Zusammenarbeit mit der Sophie Medienwerkstatt e.V. ein überparteilicher Jungwähler- und Jungwählerinnen-Wahlwerbespot initiiert. Dieser wurde auf verschiedenen Veranstaltungen, auf (über-)regionalen Radio- und Fernsehsendern und in Internetforen mit Bezug Mecklenburg-Vorpommern veröffentlicht. Methoden- und formatübergreifend wurde im Jahr 2014 die Ausstellung „Deine Anne – Ein Mädchen schreibt Geschichte“ des Berliner Anne-Frank-Zentrums gestaltet. In Kooperation mit dem Stralsunder Hansa-Gymnasium und der Evangelischen Akademie der Nordkirche wurde die Ausstellung mit einem Jugendmedienprojekt filmisch begleitet und dokumentiert. Die Ergebnisse liegen als digitales Medium vor.

Einleitung

Der hohe Zuspruch und das große Interesse an den zurückliegenden „Aktionstagen gegen Rechts“ bestärken die Veranstaltenden darin, das Projekt auch im Jahr 2016 fortzuführen. Wie in den Jahren zuvor werden aktuelle Themen, Ereignisse und Interessen der Einwohnerinnen und Einwohner der Hansestadt Stralsund und des Landkreises Vorpommern-Rügen in den Veranstaltungen berücksichtigt.

Unter dem Motto „Kein Mensch ist illegal – wir bleiben alle!“ werden die Themen Rassismus, Flüchtlingspolitik, Rechtspopulismus und die Geschichte des Nationalsozialismus im Vordergrund der Aktionstage stehen. Ebenso sollen rechtsradikale Aktivitäten, Strukturen und der Ausstieg aus der rechtsradikalen Szene thematisch aufgegriffen werden. Der inhaltliche Fokus der „Aktionstage gegen Rechts“ 2016 ist durch das Aufleben der aktuellen politisch stark rechten Bewegungen in der Bevölkerung und die aktuelle Flüchtlingsthematik beeinflusst. So soll mit den diesjährigen Veranstaltungen u.a. eine aktive Auseinandersetzung mit den Themen „Umgang mit Rechtspopulismus“ und „Asyl als Menschenrecht“ stattfinden. Anlässlich einer neonazistischen Demonstration im Oktober 2014 hat sich auf Initiative des Vereins „Rock gegen Rechts Stralsund e.V.“ das Bündnis „Stralsund für Alle“ gegründet, welches insbesondere im vergangenen Jahr in selbständige Strukturen begleitet werden konnte und nun eigenständig agiert. Das Bündnis aus Stralsunder Bürger_innen engagiert sich stark gegen das verstärkte Auftreten rechter Demonstrationen und Strukturen in der Stadt.

In dem Verein „Rock gegen Rechts Stralsund e.V.“ ist im vergangenen Jahr außerdem eine Arbeitsgruppe zum Thema „Flüchtlingshilfe“ gegründet worden. Bereits seit 2013 hat sich der Verein das Ziel gesteckt, Flüchtlingen, die in der Region untergebracht werden, lebhaft Solidarität zu beweisen und rassistischen Anfeindungen entgegenzuwirken. Ziel ist es, für die Asylbewerberinnen und -bewerber Ansprechpartner zu sein und individuelle Hilfen zu bieten. Die AG Flüchtlingshilfe ist im Rat der Bündnisse Mecklenburg-Vorpommern und in der Landesarbeitsgemeinschaft für die Verbesserung der Lebenssituation von Flüchtlingen in Mecklenburg-Vorpommern aktives Mitglied und konnte ebenfalls durch die Unterstützung des Vereins in selbständige Strukturen begleitet werden.

Die gesellschaftliche Relevanz und der Unterstützungsbedarf des Vereins „Rock gegen Rechts Stralsund e.V.“, der in den vorgenannten Bereichen aktiv tätig ist und diese zum Teil in Kooperation mit anderen Partnerinnen und Partner initiiert und koordiniert, wird damit deutlich.

Aufgrund ihres raschen Erfolges bei Wahlen und ihrer augenscheinlichen Beständigkeit soll auch zu Diskussionen zu der rechtspopulistischen Partei „Alternative für Deutschland“ angeregt werden. Nicht zuletzt werden angesichts der zunehmenden Herausforderungen im Umgang mit den gestiegenen Flüchtlingszahlen auch in unserem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern die Themen Asylpolitik und Integration eine zentrale Rolle in der Veranstaltungsreihe spielen. Als Hauptbestandteil der Aktionstage wird traditionell ein Konzert stattfinden. Die Veranstaltungen werden methodisch und didaktisch mit unterschiedlichen Formaten konzipiert, um den vielfältigen Interessen der Zielgruppe zu entsprechen und so den gesellschaftlichen Wirkungskreis weiter auszubauen.

Programm „Aktionstage gegen Rechts“ 2016

Alltagsrassismus steckt in den Köpfen vieler. Dies zeigen oft die unsachlich geführten Debatten über die Unterbringung von Asylbewerberinnen und Asylbewerbern. Dem wollen wir auch im Jahr 2016 mit nachhaltiger Bildungsarbeit in Form von u.a. Informations- und Wissensvermittlung sowie Diskussionen zur aktiven Auseinandersetzung inner- und außerhalb von Schulen entgegenwirken. Die Kooperation mit Schulen soll weiter verstärkt und ausgebaut werden. Bereits mehrere Schüler haben den Verein diesbezüglich angesprochen und um Workshops an Ihren Schulen zum Thema Flucht, Fluchtursachen und Umgang mit Fremdenfeindlichkeit in der Bevölkerung und unter Mitschülern gebeten. Dem Wunsch wollen wir nachkommen, werden dazu mit verschiedenen Kooperationspartner als Dozenten und Mediatoren zusammenarbeiten und so ein individuell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Schulen abgestimmtes Konzept erarbeiten und umsetzen. Dabei ist es Ziel die Umsetzung in den nächsten Jahren und in verschiedenen Klassenstufen fortzuführen.

Die Konzeption der „Aktionstage gegen Rechts“ 2016 sieht also verstärkt den Einsatz an Schulen bzw. für Schüler und Jugendliche vor. Ein erster Auftakt zum Thema wurde bereits am 16. April 2016 mit einem durch den Verein initiierten Argumentationstraining gemacht. Diese Veranstaltung konnte als erfolgreicher Auftakt interessierte Bürger_innen und junge Leute im Umgang mit fremdenfeindlichen Äußerungen im Alltag stärken und weitere Kontakte zu unterstützenden Institutionen vermitteln. Weitere Trainings in dieser Form sind bereits in Planung.

Auch in diesem Jahr wird es ein antirassistisches Fußballturnier mit dem Titel „Kickt gegen Rassismus“ geben. Diese Veranstaltung wird zum vierten Mal in Folge durchgeführt und wird am 11. September 2016 stattfinden. Die bereits im Jahr 2013 erarbeiteten Zugänge zu entsprechenden Kooperationspartnerinnen und -partnern in der Hansestadt Stralsund sollen erneut genutzt und erweitert werden. Insbesondere Schulen, aber auch Asylbewerberinnen und -bewerber, Sportvereine, Firmen und andere Menschen sollen in die Planung und Umsetzung einbezogen werden. Zu diesem Zweck wurde im Rahmen der Vereinsarbeit eine Fußball-AG gegründet, die sich ausschließlich mit der Organisation Planung und Durchführung dieses Events befasst. Eine weitere Veranstaltung wird am 14. August 2016 stattfinden. Der Verein organisiert in Stralsund an diesem Tag den ersten „Lauf gegen Rassismus“ entlang der Sundpromenade zu dem alle interessierten Bürger eingeladen sind.

Die mehrtägige Informationsausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ der unabhängigen Menschenrechtsorganisation „PRO ASYL“ wird zum Thema „Asyl und Flucht“ informieren. Sie schildert die Lage in Kriegs- und Krisengebieten sowie in den Nachbarregionen. Sie informiert über Fluchtursachen, Fluchtwege und berichtet über die Situation an den EU-Außengrenzen sowie im Inneren Europas und Deutschlands. Ausstellungsorte sind bereits in Stralsund und Bergen geplant, auch eine Erweiterung der Ausstellung wird derzeit mit den Kooperationspartnern besprochen. Auch die Ausstellung „Blut muss fließen“ wird erneut gezeigt werden. Dazu arbeitet der Verein Rock gegen Rechts Stralsund e.V. mit dem Verein sobi e.V. zusammen.

Im Rahmen der Bildungsarbeit wird es im Jahr 2016 erneut Filmvorführungen geben. Der Film „Das Tagebuch der Anne Frank“ beschäftigt sich mit dem Leben der Protagonistin und leistet dabei einen für junge Menschen altersgerechten Beitrag zur geschichtlichen Bildung und zur Aufklärung im Themenfeld Judenverfolgung im Nationalsozialismus und wird durch den Verein in einer Vorführung für die Öffentlichkeit gezeigt werden. Ziel ist es Filmvorführungen als regelmäßig wiederkehrendes Veranstaltungselement zu etablieren. „Das Tagebuch der Anne Frank“ soll hier den Auftakt bilden.

Der Verein beteiligt sich zudem an der Planung einer Trauerfeier für einen tot aufgefundenen Asylbewerber in Stralsund.

Als Highlights der diesjährigen Aktionstage werden 2 Veranstaltungen gelten.

Zum Einen wird am 10. September 2016 Esther Bejarano nach Stralsund kommen. Frau Bejarano ist eine jüdische Autorin und Sängerin, die als Ausschwitz-Überlebende von Ihren Erfahrungen im 2. Weltkrieg berichtet. Neben einer Diskussionsrunde für Schüler und einer gesonderten Diskussionsrunde für interessierte Bürger im Foyer des Sticer-Theaters zum Thema Nationalsozialismus und Judenverfolgung wird es eine Lesung und anschließend ein Konzert von Esther Bejarano gemeinsam mit der Kölner Band Microphon-Mafia geben. Als Durchführungsort ist die Kulturkirche bereits feststehend. Auch hier werden die im Rahmen der Veranstaltung entstehenden Kosten (Künstlergage, Mietpreise, …) nicht durch den Verein allein zu decken sein.

Zum Anderen wird es im September 2016 außerdem ein Konzert mit dem Titel „Rock gegen Rechts“ in Zusammenarbeit mit dem Verein „Ajuku e.V.“ stattfinden. Als Veranstaltungsort wird die Alte Eisengießerei in der Stralsunder Altstadt dienen. Das Konzert wird für die Teilnahme von ca. 200 Besuchern ausgelegt. 3 -4 regionale Bands sind bereits konkret angefragt und haben ihre Teilnahme zugesagt, die Terminabstimmung mit einem bekannten Hauptact befindet sich in der Endphase. Ein Kostenplan ist erstellt. Im Rahmen der Konzertveranstaltung werden auch Infostände aufgebaut und betreut werden, um auch hier Bildung und Aufklärung anzubieten. Die in den letzten Jahren umfangreich aufgebauten Netzwerke des Vereins werden dabei unterstützend zur Seite stehen, so z.B. die Familie Lohmeyer mit Ihren Erfahrungen (Festival Jamel rockt den Förster). Insbesondere in den Bereichen Security, Künstlergage und Infrastruktur werden allerdings weitere Kosten erwartet, die durch den Verein selbst nicht gedeckt werden können und auch nicht durch die erwarteten Einnahmen auszugleichen wären. Bei erfolgreicher Durchführung sollen auch in anderen Städten (insbesondere Greifswald und Rostock) derartige Konzerte stattfinden. Aufbauend auf diese Veranstaltungen ist dann für Mai 2017 ein größeres Rock gegen Rechts – Open Air in Stralsund in Planung. Dazu wird es im nächsten Jahr ein gesondertes Konzept geben.

Ergebnissicherung und Nachhaltigkeit

Um die Nachhaltigkeit der Bildungsveranstaltungen zu gewährleisten und deren Ergebnisse auch in andere Bezüge und Diskurse einbetten zu können, ist es wichtig, diese mediengestützt zu dokumentieren. Nach dem Motto „Von Jugendlichen für Jugendliche“ soll die Gestaltung und Umsetzung einer Video-Dokumentation bewusst von Jugendlichen aus dem Landkreis umgesetzt werden.

Damit werden nachstehende Ziele verfolgt: Erkennen von Gruppenphänomenen, eigen­verantwortliches Handeln, Förderung von Zivilcourage, Perspektivwechsel bei Jugendlichen und jungen Menschen, Aufzeigen von Handlungsalternativen, Stärkung des Selbstbewusstseins der Jugendlichen und nicht zuletzt die Förderung des Austauschs mit anderen politisch und künstlerisch engagierten jungen Menschen.

Dem Verein ist es mit Stefan Koeck und seiner Medienwerkstatt „Identityfilms“ gelungen, einen fachlich versierten Medienpädagogen für die Betreuung eines solchen Projekts zu gewinnen. Seine Projekte wurden bereits mit diversen Auszeichnungen honoriert; so erhielt bspw. der Dokumentarfilm „Lebensläufe“ (2010) den „Medienkompetenzpreis“ und als „politisch brisantester Beitrag“ eine Auszeichnung beim 16. Landesweiten Filmfestival Mecklenburg-Vorpommern. Die Projektumsetzung wird aufgrund absorbierter Ressourcen für das zweite Halbjahr Jahr 2016 und das Jahr 2017 avisiert.

Ziele

Wir wollen durch unser Programm demokratische Werte vermitteln. Dies lässt sich besonders gut in der pädagogischen Arbeit mit Jugendlichen machen, weshalb wir eine engere Kooperation mit Schulen des Landkreises Vorpommern-Rügen wichtig finden und intensivieren wollen.

Weiterhin soll mit den Veranstaltungstagen darauf aufmerksam gemacht werden, dass Rassismus, Faschismus und Sexismus in unserer Gesellschaft alltäglich und in verschiedenen Formen auftreten. Dem wollen wir offen und entschieden entgegentreten. Wir wollen über die Gefahr des Neofaschismus informieren und Gegenstrategien zur Auseinandersetzung mit demokratischen Mitteln und ohne Gewalt in Bild, Ton, Wort und Schrift aufzeigen.

Die Aktionstage sollen, ein friedliches Miteinander von Alt und Jung befördern. Denn seit 2005 hat die NPD in der Hansestadt Stralsund und seit 2011 in der Region Vorpommern-Rügen ihre Präsenz erheblich ausbauen können. Sie ist und wird stetig zunehmend auch für Jugendliche attraktiv. Präventive Projekte wie die „Aktionstage gegen Rechts“ arbeiten kontinuierlich und zunehmend erfolgreich, um hier effektiv entgegenzuwirken. Da das Projekt in dieser Form in Mecklenburg-Vorpommern einmalig ist, ist es für die Veranstaltenden umso wichtiger – neben der präventiven Arbeit – das Format der Aktionstage und ihrer Angebote zu verstetigen. Wir wollen Kultur, Engagement und Aufklärung miteinander verbinden.

Mit dem Hintergrund der Morde der Terrorzelle „NSU“ und deren offengelegten Aktivitäten in Stralsund wollen wir denjenigen Menschen gedenken, die Opfer neofaschistischer Gewalt wurden. Wir wollen eine Gegenkultur anbieten, die die örtliche Neonazi-Szene nicht toleriert und ihr aktiv entgegentritt.

Einschlägige Stadtviertel in denen Büros der demokratischen Parteien oder Menschen, die sich für demokratische Werte engagieren, angegriffen werden, gibt es auch in der Hansestadt Stralsund und im Landkreis Vorpommern-Rügen. Insbesondere in Städten wie Grimmen ist eine aktiver werdende Neonazi-Szene zu beobachten. In den betroffenen Stadtvierteln und Orten wollen wir weiterhin deutlich dafür werben, das „Pflaster“ nicht den Neonazis zu überlassen, und den hiesigen Einwohnerinnen und Einwohnern Alternativen aufzeigen.

Die Genese des Vereins „Rock gegen Rechts Stralsund“ e.V. geht auch darauf zurück, dass in Stralsund die ersten NPD-Kommunalvertreter gewählt wurden und die Partei hohe Wahlergebnisse bei den Landtagswahlen 2006 und 2011 in Mecklenburg-Vorpommern erreichte. In Stralsund und insbesondere in den Stadtteilen Frankenvorstadt und Grünhufe lag die Partei mit über 20 Prozent der abgegebenen Stimmen weit über dem Landesdurchschnitt. Insbesondere der hohe Anteil der Wahlstimmen für die NPD seitens Jungwählerinnen und -wählern, war erschreckend hoch und erfordert eine politische und zivilgesellschaftliche Auseinandersetzung durch Aufklärung und Bildung. Die Zielgruppe unserer Veranstaltungen sind vorwiegend junge Menschen im Alter von 12 bis 30 Jahren. Dies entspricht der Zielgruppe der NPD in ihrem Wirken. Allerdings zieht die „Alternative für Deutschland“ zunehmend auch die mittlere und ältere Bevölkerung an. Daher bieten wir mit der Lesung und dem Konzert von Esther Bejarano auch altersunabhängige Veranstaltungen an um eine breite Bevölkerung und Zielgruppe anzusprechen. Mit Rückblick auf die Kommunalwahlen 2014 und im Vorblick auf die Landtagswahlen 2016 in Mecklenburg-Vorpommern wollen wir daran erinnern, dass jede Stimme für die NPD oder für andere antidemokratische Parteien eine Stimme gegen ein friedliches und tolerantes Zusammenleben in unserem Landkreis und der Hansestadt Stralsund ist.

Wir wünschen uns für die Zukunft einen weltoffenen Landkreis Vorpommern-Rügen mit seiner Kreisstadt Hansestadt Stralsund. Auch deshalb wollen wir mit unseren Angeboten dort ansetzen, wo wir junge Menschen erreichen können, sie mit einbeziehen und in ihrem Engagement für ein demokratisches Miteinander unterstützen. Es ist uns ein besonderes Anliegen, zu zeigen, dass es eine Alternative zu rechtsradikalen Aktivitäten und Strukturen gibt, und dass dem rechtsradikalen Hegemonialstreben aktiv entgegengewirkt werden kann. Dies bedeutet, demokratische Werte im öffentlichen Raum leben zu können, bisweilen zurückzuerobern und den Normalisierungsprozessen rechtsradikaler Einstellungen und Positionen zu widersprechen. Mit den „Aktionstagen gegen Rechts“ soll hierfür ein Rahmen geschaffen werden.

Wegen des relativ großen organisatorischen und finanziellen Aufwands kann das Projekt nur dann realisiert werden, wenn es mit großer Begeisterung und unabdingbar auch finanzielle Unterstützung findet.